Dr. Ulrich Größmann   •   Umwelt-Consulting

           

Glossar – Erklärung wichtiger Fachbegriffe

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ABC-Analyse
Die ABC-Analyse ist eine Methode zur Bewertung der Umweltrelevanz von Stoffen und Prozessen. Die Klassifizierung erfolgt durch die Einteilung in ein dreistufiges Bewertungsraster der Kategorien A, B oder C. A steht für eine hohe, B für eine mittlere und C für eine geringe Umweltrelevanz.
Um Mengeneffekte oder die Dauer der Umwelteinwirkungen zu bewerten, kann ergänzend eine XYZ-Klassifizierung durchgeführt werden.

Abfall
Mit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaft- und Abfallgesetzes (KrW-/AbfG) ist der europäische Abfallbegriff in nationales Recht umgesetzt worden. Kriterien des Abfallbegriffs nach KrW-/AbfG sind:

  • es handelt sich um eine bewegliche Sache
  • diese ist einer Stoffgruppe nach Anh. I KrW-/AbfG zugehörig
  • es besteht ein Entledigungswille.

Ein Entledigungswille liegt vor bzw. ist anzunehmen, wenn

  • die Sache einem Verfahren zugeführt wird, das im KrW-/AbfG (Anh. I und II) als Beseitigungs- oder Verwertungsverfahren genannt ist
  • die Sache keinem Zweck mehr dient
  • es um Sachen geht, die ungewollt anfallen (z.B. Schlacken) und der Zweck der Handlung ist ein anderer
  • von der Sache ein Gefährdungspotential ausgeht, das nur durch ordnungsgemäße Entsorgung unschädlich gemacht werden kann.

Man unterscheidet zwischen

  • Abfällen zur Verwertung: das KrW-/AbfG sieht eine Pflicht zur Verwertung von Abfällen vor, wenn diese nicht gänzlich vermieden werden können. Man unterscheidet zwischen stofflicher und energetischer Verwertung. Beide Verwertungsarten sind prinzipiell gleichrangig. Die Verwertungspflicht gilt, wenn dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist, insbesondere wenn für einen gewonnenen Stoff oder gewonnene Energie ein Markt vorhanden ist oder geschaffen werden kann.
  • Abfällen zur Beseitigung: Abfälle, die nicht verwertet werden, sind Abfälle zur Beseitigung. Beseitigung umfasst alle Stadien eines Entsorgungsvorganges vom Bereitstellen und Überlassen der Abfälle, über das Einsammeln, Befördern, Behandeln und Lagern bis zur Deponierung oder Verbrennung.

Abfallbilanz
Die Abfallbilanz ist die Basis für ein Abfallwirtschaftskonzept. Zum Kreis derer, die eine Abfallbilanz erstellen müssen, vgl. Abfallwirtschaftskonzept. Die Bilanz ist ein Rückblick; durch Bilanzen werden Art, Menge und Verbleib der Abfälle dokumentiert. Sie ist jeweils für das vergangene Jahr zu erstellen und jährlich fortzuschreiben.

Abfallwirtschaftskonzept

Abfallwirtschaftskonzepte sind zusammen mit Abfallbilanzen eine wesentliche Neuerung des KrW-/AbfG.

Jeder Abfallerzeuger, bei dem jährlich mehr als

  • 2000 kg besonders überwachungsbedürftige Abfälle insgesamt oder
  • 2000 t überwachungsbedürftige Abfälle je Abfallschlüssel

anfallen, muss ein Abfallwirtschaftskonzept erstellen. Die Konzepte sind der zuständigen Behörde nur auf Verlangen zur Auswertung für die Abfallwirtschaftsplanung vorzulegen.

Das Abfallwirtschaftskonzept muss für jeden Standort aufgestellt werden und zwingend folgende Angaben enthalten: Art, Menge und Verbleib aller Abfälle zur Beseitigung sowie der besonders überwachungsbedürftigen und überwachungsbedürftigen Abfälle zur Verwertung; getroffene und geplante Maßnahmen zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung von Abfällen; Begründung, warum Abfälle nicht verwertet werden können; vorgesehene Entsorgungswege für die nächsten 5 Jahre; Auslandsentsorgung. Form, Inhalt und sonstige Anforderungen sind in der Verordnung über Abfallwirtschaftskonzepte und Abfallbilanzen präzisiert (AbfKoBiV).

Ablauforganisation

Die Ablauforganisation regelt das Innenleben eines Managementsystems. Sie dient der Umsetzung externer Forderungen und interner Zielsetzungen unter Berücksichtigung von räumlichen und zeitlichen Gesichtspunkten. Die Ablauforganisation beschriebt Arbeitsprozesse, welche zur Erfüllung der Aufgaben nötig sind und definiert die Schnittstellen, um das Zusammenwirken mehrerer Aufgabenträger zu koordinieren. Die Ablauforganisation wird durch Arbeitsanweisungen und Verfahrensanweisungen beschrieben (vgl. Arbeitsanweisung, Verfahrensanweisung, Aufbauorganisation).

Abluft
Unter Abluft versteht man alle bei industriellen, gewerblichen und häuslichen Produktions- und Verteilungsprozessen entstehenden, in die Atmosphäre entweichenden und die natürliche Zusammensetzung der Luft verändernden Gase, Rauche, Ruße, Dämpfe, Geruchsstoffe und Stäube.

Abwasser
Bei Abwasser handelt es sich entweder um sanitäres oder um industrielles Abwasser. Täglich werden große Mengen Wasser in Haushalten (zum Waschen, Baden, Kochen und zur Spülung der Toiletten), Industrie-, Handwerks- und Gewerbebetriebe verbraucht. Sanitäres Abwasser enthält neben Fäkalien vor allem Reinigungsmittel. Industrielles Abwasser ist je nach Branche sehr unterschiedlich zusammengesetzt. Das Abwasser wird durch die Kanalisation in eine Kläranlage geleitet, wo es mechanisch (durch Rechen und Siebe), biologisch und zum Teil auch chemisch gereinigt wird. Das gereinigte Abwasser wird dann in den sogenannten Vorfluter (z.B. Fluss) eingeleitet. Als Abwasser gilt auch das von befestigten Flächen abfließende Regenwasser.

Abwasserabgabengesetz (AbwAG)
Das Abwasserabgabengesetz verpflichtet den Direkteinleiter (Gemeinden, Industrie) zur Zahlung einer Abgabe, deren Höhe sich nach Menge und Belastung des Abwasser richtet. Damit besteht ein Anreiz, Wasser zu sparen und Abwasserbehandlungsanlagen zu betreiben.

Abwassereinleitung
Das Einleiten von Abwasser in ein Gewässer (Direkteinleitung) stellt eine erlaubnispflichtige Gewässerbenutzung dar. Die Zulässigkeit des Einleitens in die öffentliche Kanalisation (Indirekteinleitung) richtet sich nach der kommunalen Entwässerungssatzung. Abwasser darf nur eingeleitet werden, wenn die Mindestanforderungen nach dem Stand der Technik eingehalten werden.

ADR
ADR ist die Abkürzung für "Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route". Es ist das Europäisches Übereinkommen über den Transport gefährlicher Güter auf der Straße. Das ADR regelt mit seinen Anlagen A und B den grenzüberschreitenden Transport unter den Mitgliedsstaaten. Die Grundlagen des ADR sind Empfehlungen der UN.

Agenda 21
Die im Juni 1992 in Rio vom sog. "Erdgipfel" (UNCED = United Nations Conference on Environment and Development) verabschiedete Agenda 21 - das Aktionsprogramm für das kommende Jahrhundert - enthält Ziele und Maßnahmen für die Gestaltung und Sicherung einer lebenswerten (Um)welt für gegenwärtige und künftige Generationen in allen Bereichen des täglichen Lebens. In 40 Kapiteln werden alle wesentlichen Politikbereiche einer nachhaltigen Entwicklung angesprochen. Gefordert wird für alle Staaten eine "dauerhafte Entwicklung ohne Übernutzung der natürlichen Ressourcen und ohne Vernichtung der Existenzgrundlagen für kommende Generationen". Als essentielle Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung werden festgehalten:
– soziale und wirtschaftliche Aspekte
– die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen
– die Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen
– Arbeitsplatzevaluierung
– die für die Sicherheit der Arbeitnehmer bestehenden Gefahren ermitteln und beurteilen, dokumentieren und beseitigen

Akkreditierung
Akkreditierung bedeutet Beglaubigung bzw. Bevollmächtigung und meint hier die Zulassung von Zertifizierstellen. In Deutschland akkreditiert z.B. die TGA (Trägergemeinschaft Akkreditierung) Zertifizierstellen für Umwelt- und Qualitätsmanagementsysteme (vgl. Zulassungssystem).

Allgemein anerkannte Regeln der Technik (aaRdT)
In der Technik und im Umweltschutzrecht gebrauchter Begriff, der diejenigen Prinzipien und Lösungen beschreibt, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und sich daher bei der Mehrheit der Praktiker durchgesetzt haben (vgl. BAT, Stand der Technik, Stand von Wissenschaft und Technik).

Altlast
Unter Altlasten versteht man Altablagerungen oder Alt(industrie)standorte, bei denen bereits eine Beeinträchtigung der Umwelt eingetreten ist oder bei denen ein hohes Gefährdungspotential für die Umwelt vorliegt.

Anlage
Eine Definition für "Anlage" findet sich im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). Anlagen im Sinne des BImSchG sind:

  1. Betriebsstätten und sonstige ortsfeste Einrichtungen wie z.B. Fabriken, Gewerbebetriebe, Handelsbetriebe, Bergwerke, Steinbrüche, Werkstätten, Lagerplätze, Tankstellen, Bauernhöfe, Praxisräume von Freiberuflern.
  2. Maschinen, Geräte und sonstige ortsveränderliche technische Einrichtungen sowie Fahrzeuge, soweit sie nicht der Vorschrift des § 38 BImSchG unterliegen wie z.B. Baumaschinen und sonstige Arbeitsgeräte, Gartengrillgeräte, Rasenmäher, Tonwiedergabegeräte.
  3. Grundstücke, auf denen Stoffe gelagert oder abgelagert oder Arbeiten durchgeführt werden, die Emissionen verursachen können, ausgenommen öffentliche Verkehrswege.

Arbeitsanweisung
Arbeitsanweisungen sind unternehmensinterne Regelungen zur Einhaltung interner und externer Normen (insbesondere zu Umwelt, Qualität und Sicherheit) bei bestimmten Arbeitsvorgängen und Prüftätigkeiten (z.B. für die Bedienung von Anlagen, die Einhaltung von Grenzwerten oder das Verhalten bei Abweichungen). Arbeitsanweisungen sind immer arbeitsplatzbezogen (vgl. Betriebsanweisung, Verfahrensanweisung).

Arbeitsschutz
Unter Arbeitsschutz versteht man die Tätigkeiten, die das Ziel haben, das Leben und die Gesundheit des Menschen bei der Arbeit zu schützen, die Arbeit menschengerechter zu gestalten und die Arbeitsumwelt stetig zu verbessern.

Arbeitsschutzmanagementsystem (AMS)

Das Arbeitsschutzmanagementsystem ist als Teilsystem eines unternehmensübergreifenden Managementsystems zu verstehen. Es schließt die Organisation, Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten, Verhaltensweisen, förmliche Verfahren, Abläufe und Mittel für die Festlegung und Durchführung des Arbeitsschutzes ein (vgl. BS 8800, OHRIS, SCC). Analog zu den anderen Managementsystemen für Qualität und Umweltschutz (ISO 9001, ISO 14001 bzw. EMAS) vollzieht sich der Aufbau und die Aufrechterhaltung eines AMS nach der allgemeinen Management-Regel Plan - Do - Check - Act (PDCA).

Audit
Audits sind regelmäßige, formalisierte und systematische Überprüfungsverfahren, die mit dem Ziel durchgeführt werden, die Wirksamkeit und Vollständigkeit eines Managementsystems zu überprüfen und um festzustellen, ob das Umweltmanagementsystem und die Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes den geplanten Vorgaben entsprechen. Es sollt nachgewiesen werden, dass das System voll funktionsfähig ist und die Umweltpolitik die Ziele und Programme des Unternehmens unterstützt. Dazu wird der Ist-Zustand erfasst, dieser mit dem Sollzustand verglichen und Schwachstellen bzw. Verbesserungsmöglichkeiten werden aufgezeigt. Bei der Durchführung eines Audits werden Dokumente eingesehen, Mitarbeiter befragt und der Betriebsablauf beobachtet. Als Hilfsmittel kommen in der Regel Checklisten, Interviewleitfäden und Protokollformblätter zum Einsatz.

Man unterscheidet zwischen der Überprüfung und Bewertung

  • der dokumentierten (internen) Vorgaben: System-Audit
  • der gesetzlichen (externen) Vorgaben: Compliance-Audit
  • der tatsächlich erreichten Verbesserungen in der Umweltleistung: Performance-Audit.

Auditor, Auditleiter, Auditteam
Ein Auditor ist eine von den zu auditierenden Bereichen unabhängige Person, die zur Belegschaft des Unternehmens gehört oder aber unternehmensfremd ist. Die Person muss über eine fachliche Qualifikation zur Durchführung von Umweltaudits verfügen. Es sind dies insbesondere

  • höhere Schulbildung
  • Kenntnisse der Normen und gesetzlichen Regelwerke
  • praktische Erfahrungen bezüglich Umweltmanagement und Audit
  • Methodenbeherrschung
  • persönliche Kompetenzen

Der Auditleiter wird von der Geschäftsleitung zur Durchführung eines Audits bestimmt. In Absprache mit der Geschäftsleitung kann der Auditleiter weitere Auditoren benennen, die ihn bei der Durchführung des Audits unterstützen.

Das Auditteam ist eine Gruppe von Auditoren, die mit der Durchführung eines Audits betraut sind. Das Auditteam kann auch nötigenfalls weitere Experten umfassen (z.B. Techniker, Juristen).

Die Anforderungen an die Auditoren bzw. an den Auditleiter sind in der Norm ISO 14012 näher erläutert.

Aufbauorganisation

Die Aufbauorganisation beschreibt die Zustands- und Beziehungsstruktur eines Unternehmens. Eine Aufbauorganisation entsteht durch die Bildung von Stellen als kleinste Einheiten der Organisation und die Zusammenführung dieser Stellen zu übergeordneten Einheiten. Die Aufbauorganisation legt die Rechte und Pflichten der Mitarbeiter in der Hierarchie fest. Die Aufbauorganisation wird grafisch meist als Organigramm dargestellt und ergänzt durch Stellen- bzw. Funktionsbeschreibungen und Verantwortlichkeitsmatrizen (vgl. Ablauforganisation).

Aufzeichnungen
Aufzeichnungen (Nachweisdokumente, wie z.B. Protokolle) dienen der Dokumentation bzw. der Beschreibung des Ist-Zustandes (vgl. Dokumente).

 

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